Small moves, big sum.

„Zwischen den Einheiten“ ist Platz für alles, was rund um Bewegung passiert: Gedanken, Umwege, Zweifel, Aha-Momente. Solange move:sum noch klein ist und die Community gerade erst wächst, fang ich damit einfach selbst an.
Das erste Mal Bouldern war irgendwann letztes Jahr. Frühjahr oder Herbst, ich weiß es nicht mehr so genau. Es war auf alle Fälle nicht Hochsommer. Ich weiß nur noch, dass es mir damals schon irrsinnig viel Spaß gemacht hat und trotzdem bin ich danach nie wieder gegangen. Wie das halt manchmal so ist. Man findet etwas gut und dann verläuft es sich doch wieder.
Jetzt also Runde zwei.
Wir waren zu viert. Eine Freundin, zwei Freunde und ich. Zwei der Truppe sind deutlich erfahrener als ich. Mehr Technik, mehr Körperspannung, mehr Griffkraft. Man sieht sofort, dass sie wissen, was sie tun. Ich weiß eher ungefähr, wo oben ist.
Bouldern ist ja dieses Klettern ohne Seil in Absprunghöhe. An jeder Route steht eine Zahl. 4, 5, 6 und das Ganze noch unterteilt in A, B, C. Je höher die Zahl, desto schwieriger wird es. Man steht also vor einer 4C und denkt sich kurz, dass die doch eher eine 6A werden wollte. Und dann probiert man es halt trotzdem.
Das mag ich an dieser Sportart. Man kann jederzeit wieder runter. Man kann springen, fallen, abbrechen. Nichts ist endgültig. Also stelle ich mich vor eine Route, schaue hoch und denke meistens nicht lange nach. Probieren wir es halt.
Manche Sequenzen funktionieren sofort. Bei anderen hänge ich wie ein nasser Sack an der Wand. Und dann gibt es diese Momente, in denen ich mir ziemlich sicher bin, dass ich einen Zug nicht schaffen werde. Zu weit weg, zu schräg, zu wenig Griff. Und plötzlich bin ich doch oben. Höher als gedacht. Was bei mir mit leichter Höhenangst durchaus eine Rolle spielt.
Zwischendurch sitzen wir auf der Matte, lachen, trinken einen Kaffee, geben uns gegenseitig Tipps. Es ist komplett locker. Niemand misst Zeiten, niemand bewertet irgendwas. Und trotzdem ist es fordernd. Am Ende höre ich nicht auf, weil ich keine Lust mehr habe, sondern weil meine Unterarme und Finger einfach dichtmachen. Drei Tage Muskelkater und ich bin an Türklinken gescheitert. Herrlich.
Ich war nicht besser als meine Freunde. Musste ich auch nicht sein. Der eigentliche Moment war ein anderer. Ich habe Routen geschafft, bei denen ich unten noch überzeugt war, dass die nichts werden. Und genau das war das beste Gefühl des Tages.
Was im Nachhinein außer Muskelkater und einem richtig guten Sonntag mit Freunden bleibt, ist eben dieser eine Gedanke: Da geht offenbar mehr, als ich mir manchmal selbst zutraue.
Und ich glaube, genau dieses Gefühl hätte ich gerne öfter. Nicht nur beim Bouldern, sondern generell im Sport. Diese kindliche Art von Bewegung, dieses Ausprobieren, dieses Scheitern und nochmal Probieren, bis plötzlich etwas klappt.
Eigentlich bin ich nur ich gegen mich selber und wenn ich da gewinne, ist das doch super geil.
Autor: Philipp Sturm
Bilder: SME
Philipp Sturm ist Gründer von move:sum und kommt aus der Sportbranche. Lange war Sport für ihn vor allem Pflicht. Heute sieht er Bewegung als echten Gamechanger für den Kopf – mit Spaß, ohne Verbissenheit und gerne auch in kleinen Dosen.
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