Genussläuferin in Lissabon und eine Treppe ins Nichts: Community-Gespräch mit Alexandra

Bei move:sum reden wir nicht nur über Sport. Wir reden auch mit den Menschen, die ihn machen. Mit all den kleinen Geschichten, Umwegen, Pausen, Ausreden und Momenten, die man normalerweise nicht auf Instagram sieht.

Diesmal sprechen wir mit Alexandra aus der move:sum-Community. Sie ist Herausgeberin, Coach und Unternehmerin, war früher im Leistungssport unterwegs und steht gerade irgendwo zwischen „Ich will wieder laufen“ und „Ich könnte auch noch schnell die Wäsche machen“.

move:sum: Hallo Alexandra! Danke dir für deine Zeit. Stell dich doch kurz vor. Wer bist du und was machst du beruflich? Was sind deine Hobbies? 

Alexandra: Ich bin Alexandra. Ich bin Herausgeberin, Journalistin, Unternehmerin. Und mein Alltag ist…viel. Also ich bin beruflich ziemlich eingespannt, aber zum Glück in einem Feld, das mir Spaß macht, deswegen verschwimmt das manchmal so ein bisschen mit Hobby.

move:sum: Gibt es etwas über dich, das man vielleicht nicht sofort erwarten würde?

Alexandra: Ich habe viele Hobbies, viele Projekte. Ich beschäftige mich gern mit Musik, beschäftige mich gerne mit Kunst. Sport ist gerade eher eine Baustelle.

move:sum: Wenn wir dich früher beim Sport getroffen hätten, wie hätte das ausgesehen?

Alexandra: Sehr sportlich. Also wirklich. Ich war klassische Balletttänzerin, auch beruflich, und das ist schon ein ziemlicher Hardcore-Leistungssport. Eiskunstlaufen habe ich auch gemacht. Ich war eigentlich immer in Bewegung.

move:sum: Und aktuell?

Alexandra: Aktuell eher… unbefriedigend, ehrlich gesagt. Ich hatte so viel Arbeit, dass mir das Laufen und generell Sport ein bisschen abhandengekommen sind. Ich schaffe es jetzt wieder ab und zu schwimmen zu gehen oder ein paar Übungen zu Hause zu machen. Ich war auch wieder Joggen, aber ich würde gerne wieder dahin zurück, wo ich schon mal war.

move:sum: Welche Rolle hat Laufen denn für dich gespielt und welche spielt es jetzt?

Alexandra: Früher war das ein fixer Teil meines Alltags. Drei-, vier-, teilweise fünfmal die Woche. Schwimmen und Laufen waren so mein Ding.

Jetzt ist es eher so: Die Laufschuhe sind da. Ich besitze auch eine Laufuhr. Ich benutze sie nur nicht. 

Mein Ziel wäre es, einfach wieder reinzukommen. Ich muss nicht schnell sein oder Marathon laufen. Aber einfach 40, 50, 60 Minuten laufen können, das hat mir körperlich und seelisch wirklich gutgetan.

move:sum: Was macht Laufen für dich besonders?

Alexandra: Besonders gut ist Laufen für meinen Kopf. Ich arbeite viel am Rechner, bin sehr fokussiert. Und beim Laufen löst sich das alles ein bisschen. Der Körper ist beschäftigt, der Kopf wird freier.

Und ich merke auch: Wenn ich körperlich fit bin, bin ich überall fitter. Mehr Ausdauer, mehr Kraft, auch mental.

move:sum: Woran merkst du, dass ein Lauf gut war?

Alexandra: Wenn ich merke, mein Körper wurde beansprucht, aber er hat es gut ausgehalten. Und wenn ich meine Laufstrecke gut schaffe ohne hyperventilieren und knallrotem Kopf.

Ich habe so eine Route, da geht’s erst richtig bergauf – teilweise so steil, dass ich laufe, aber kaum vorankomme. Das ist meine absolute Hassstrecke. Und dann wird man oben mit der Aussicht belohnt.

Am Ende geht’s lange bergab und man hat so einen Flugmoment. Das ist richtig cool.

move:sum: Du hast auch von einer „Treppe ins Nichts“ erzählt…

Alexandra: Ja! Da gibt es so eine Stelle mit einer alten Steintreppe auf einem Hügel. Die führt nirgendwo mehr hin. Und gerade wenn es morgens ein bisschen nebelig ist, steht man da und hat das Gefühl, man schaut ins Nichts. So eine Unendlichkeit. Klingt esoterisch, ist es wahrscheinlich auch. Aber ich mag das.

Treppe-ins-nichts_Artikelbild
Die Treppe ins Nichts © Privat | Alexandra

move:sum: Gibt es einen Laufmoment, der dir besonders hängen geblieben ist?

Alexandra: Lissabon. Ich bin dort laufen gegangen und habe die Stadt so erkundet. Drei, vier Stunden unterwegs, aber mit vielen Pausen. Mal stehenbleiben, was anschauen, Kaffee trinken, weiterlaufen. Das war mega.

move:sum: Läufst du eher nach Plan oder nach Gefühl?

Alexandra: Eher so wie es sich ergibt. Es gibt diese kurzen „Ich mach halt was“-Runden, wenn ich wenig Zeit habe. Aber die sind nicht spannend.

Am liebsten laufe ich einfach so lange, wie es sich gut anfühlt.

move:sum: Gibt es etwas am Laufen, das du eigentlich nicht magst?

Alexandra: Laufen ist oft einfach langweilig. Ganz ehrlich. Ich finde Schwimmen spannender.

Aber wenn ich in diesen Rhythmus komme, wo der Körper fast von alleine läuft und der Kopf frei wird, dann ist das der Zustand, den ich will. Das ist dann richtig gut.

move:sum: Brauchst du dafür Musik oder Podcast?

Alexandra: Beides. Oder auch gar nichts. Musik hilft manchmal für den Rhythmus, aber ist nicht entscheidend.

move:sum: Läufst du lieber allein oder mit Laufbuddy?

Alexandra: Auch Beides. Ich hatte mal zwei Laufbuddies. Mit dem einen war es perfekt.

Mit dem anderen… sagen wir so: Sein „gemütlich“ war nicht mein „gemütlich“. Ich bin da mit roter Birne hinterhergelaufen und wollte nicht sagen, dass es zu schnell ist. War ein bisschen peinlich. Aber ich habe mich tatsächlich verbessert dadurch.

move:sum: Was motiviert dich gerade, wieder mehr zu laufen?

Alexandra: Vernunft. Man wird nicht jünger und muss gegen die Schwerkraft arbeiten.

Und Challenges helfen mir total. Das ist auch wie ein Laufbuddy. So eine Verbindlichkeit von außen.

move:sum: Und was hält dich derzeit noch auf?

Alexandra: Prokrastination. Mir fällt dann plötzlich alles ein, was ich noch machen muss. Wäsche, Arbeit, irgendwas. Die Laufschuhe schauen mich schon vorwurfsvoll an.

move:sum: Wenn du jemandem, der noch nie gelaufen ist, einen Tipp geben müsstest, was würdest du sagen?

Alexandra: Die ersten Male sind hart. Wirklich hart. Aber es wird besser. Ich konnte am Anfang keinen Kilometer durchlaufen und irgendwann ging es plötzlich. Und dieses Gefühl danach – körperlich und mental – ist es wert.

move:sum: Bist du eher die Genussläuferin oder die Ehrgeizige?

Alexandra: Ganz klar Genussläuferin.

move:sum: Letzte Frage: Wenn dein aktuelles Sportleben ein Filmgenre wäre, welches wäre es?

Alexandra: So eine 60er-Jahre-Komödie. Ein bisschen chaotisch, ein bisschen absurd, aber irgendwie charmant.

move:sum: Klingt nach einem Film mit Comeback-Potenzial. Danke dir für das Gespräch!

Alexandra: Danke dir, hat Spaß gemacht!

Quick Round mit Alexandra

Autor: Philipp Sturm
Bilder: SME

Auch Bock?

Kennst du jemanden, mit dem wir auch einmal sprechen sollten? Oder hast du selbst eine Sportgeschichte zu erzählen? Schreib uns.

Der move:sum Newsletter
Sport ohne Fitnesslärm

Der Newsletter für alle, die Sport wollen,  aber keine Lust mehr auf Fitness-Inszenierung haben. Praktische Challenges, ehrliche Gedanken & frische Ideen – jede Woche direkt ins Postfach.

Jetzt anmelden