Small moves, big sum.

Laufen ist spontan, gratis und jederzeit möglich. Trotzdem kennen viele das kleine Vorspiel, das sich vor jedem Lauf abspielt: Man weiß genau, wie gut Bewegung dem Körper, dem Kopf und dem Stresspegel tut, und faltet stattdessen doch die Ladung Wäsche, die mit vorwurfsvollen Blicken aus dem Trockner glotzt.
Gleichzeitig erleben viele das Dilemma, etwas für sich tun zu wollen, obwohl im Alltag ohnehin schon wenig Raum bleibt. Geschweige denn für Treffen mit Freund:innen. Genau hier liegt der Zauber des gemeinsamen Laufens: Man bewegt sich, man begegnet sich und man erledigt beides auf einmal. Multitasking also, aber in gesund.
Dass dieser Ansatz nicht nur gut klingt, sondern auch wirklich funktioniert, zeigt eine Studie der Radboud University aus dem Jahr 2022. Sie legt nahe, dass Läufer:innen, die regelmäßig mit anderen trainieren, häufiger laufen und eine stärkere Bindung zum Sport entwickeln. Soziale Einbindung kann damit ein entscheidender Faktor sein, um langfristig dranzubleiben.
Eine aktuelle Untersuchung aus dem Jahr 2026 ergänzt, dass soziale Unterstützung im Sport mit höherer Lebenszufriedenheit und besserem Umgang mit Stress zusammenhängt. Gemeinsam laufen wirkt also offenbar mental, emotional und sozial.
Für viele hat dieser soziale Aspekt eine besondere Bedeutung. Während man Schritt für Schritt vorankommt, entstehen Gespräche, die Nähe schaffen. Man lacht, man tauscht sich aus, manchmal schweigt man einfach nebeneinander her.
Und das wohltuende Gefühl, Zeit für sich selbst zu haben und gleichzeitig eine Freundin, einen Freund zu sehen, macht das Laufen leichter in den Alltag integrierbar. Besonders angenehm wird es, wenn das Tempo so gewählt ist, dass man sich gut unterhalten kann. Diese Art des „conversational running“ wird oft als besonders angenehm und stressreduzierend beschrieben. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass die Kombination aus Bewegung und sozialem Austausch sich positiv auf das mentale Wohlbefinden auswirken kann.
Running Clubs in Österreich: Motivation im Paket
In Österreich gibt es inzwischen eine lebendige Kultur rund ums gemeinsame Laufen. Wer nicht nur zu zweit, sondern in einer größeren Gruppe unterwegs sein möchte, findet nahezu überall passende Running-Communities.
In Wien etwa bietet das bekannte Vienna Running Collective eine große und offene Gemeinschaft, die verschiedene Leistungsniveaus anspricht und Neulinge herzlich willkommen heißt. Ebenfalls beliebt sind die wöchentlichen Parkruns am Donauturm, bei denen jeden Samstag fünf Kilometer gelaufen werden. Kostenlos, ohne Leistungsdruck und mit einem sehr entspannten Publikum.
Auch außerhalb der Hauptstadt wächst die Szene. In Graz treffen sich Läufer:innen jeden Sonntag um 10 Uhr am Karmeliterplatz, laufen gemeinsam etwa fünf Kilometer und gönnen sich danach einen Kaffee. Ein Ritual, das sportliche Routine und soziale Wärme perfekt verbindet. In Linz zieht der how was your day club Menschen an, die ihren Tag aktiv und in Gesellschaft abrunden möchten. Und in Innsbruck hat die Basefive Sports Community längst erkannt, dass gemeinsames Training die halbe Miete ist. Mehrmals pro Woche gehen deren Laufgruppen an den Start, die motivieren, mitziehen und dafür sorgen, dass man sich nie allein aufraffen muss.
Diese Beispiele zeigen nur einen kleinen Ausschnitt der vielen Möglichkeiten, die es in Österreich gibt. Egal ob man früh morgens startet, sich als Laufanfänger:in wohler fühlt, lieber mit anderen Singles läuft oder den Hund mitnimmt: Wer sucht, findet fast überall eine Gruppe, die sowohl zum eigenen Tempo als auch zur eigenen Lebenssituation passt.
Gemeinsam zu laufen bedeutet also, Sport in den Alltag einzubauen, ohne soziale Kontakte zu verlieren. Es motiviert, stärkt die mentale Gesundheit und macht das Laufen für viele zugänglicher und freudvoller. Ob mit guten Freunden oder mit einer ganzen Community: gemeinsam läuft es eben einfach besser. Schritt für Schritt. Gespräch für Gespräch.
Autorin: Jacqueline Kloft
Bilder: pexels | Ashford Marx
Jacqueline Kloft arbeitet an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, sozialem Wandel und Kommunikation. Als Texterin liebt sie Geschichten, die leise anfangen und stark nachhallen; besonders dann, wenn Bewegung, Natur und ein bisschen Selbstironie darin vorkommen. Zwischen Laptop und Feldweg sammelt Jacqueline Momente, die zeigen, dass Sport nicht stressig sein muss, um etwas zu bewegen.
Zur Autorin, Jacqueline Kloft
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