Small moves, big sum.

Laufen hat ja eigentlich eine ziemlich klare Grundlage: ein bisschen Bewegung, frische Luft, vielleicht eine Sportuhr und am Ende ein gutes Gefühl. So weit die Theorie. Wenn man sich aber anschaut, was rund um diesen Sport tatsächlich passiert ist – auf Laufbahnen, bei Marathons oder einfach nur kurz vor der Ziellinie – wird das Bild deutlich schiefer.
Es gibt Geschichten, die wirken wie ausgedacht. Sind sie aber nicht. Drei davon zeigen ganz gut, wie absurd Laufen manchmal werden kann.
Das Ziel war… doch nicht da
Manchmal entscheidet beim Laufen nicht die Form, sondern der Zeitpunkt. Beim Crosslauf 2012 lief der Kenianer Abel Mutai klar in Führung, stoppte aber kurz vor dem Ziel, weil er die Situation falsch einschätzte und dachte, er sei schon im Ziel.
Direkt hinter ihm lief der Spanier Ivan Fernandez Anaya, der ohne Probleme hätte vorbeiziehen und gewinnen können. Stattdessen machte er Mutai darauf aufmerksam, dass das Ziel noch nicht erreicht war, und half ihm, die letzten Meter zu überqueren. Mutai gewann das Rennen.
Einer der fairsten Hoppalas überhaupt.1
Laufen mit Bierpflicht
Falls dir Laufen alleine zu wenig Herausforderung ist, gibt es ein Format, das das Problem sehr direkt löst. Und schon recht ungesund ist: die sogenannte „Beer Mile“.
Das Konzept ist einfach: vier Runden auf der Laufbahn, und vor jeder Runde ein Bier. Macht insgesamt eine Meile und vier Bier. Die Regeln sind dabei überraschend streng. Wer sich übergibt, muss eine zusätzliche Strafrunde laufen, und auch beim Trinken darf man sich nicht zu viel Zeit lassen, wenn man vorne mitlaufen will.
Trotzdem gibt es Leute, die das Ganze in unter fünf Minuten schaffen. Was dabei genau mehr fordert – das Laufen oder das Trinken – ist nicht ganz klar. Was allerding klar ist: Es ist ein bisschen verstörend und trotz der vielen Elektrolyte wohl mega ungesund.2
Ein Marathon komplett außer Kontrolle
Wenn man denkt, dass bei großen Rennen zumindest die Grundregeln eingehalten werden, lohnt sich ein Blick auf den Olympiamarathon 1904 in St. Louis. Dieses Rennen hatte alles, nur keinen klaren Ablauf.
Der spätere Sieger Thomas Hicks wurde während des Rennens mit einer Mischung aus Strychnin und Eiweiß versorgt, später auch mit Brandy. Strychnin ist ein Gift, wurde damals aber in kleinen Dosen als leistungssteigernd eingesetzt. Das Ganze gilt heute als einer der ersten dokumentierten Dopingfälle im Olympiasport.
Ein anderer Läufer, Fred Lorz, bekam Krämpfe, stieg kurzerhand in ein Auto, ließ sich ein Stück fahren und lief danach weiter. Er kam sogar als Erster ins Ziel, wurde zunächst gefeiert und dann disqualifiziert, da die Geschichte rasch aufflog.
Der Kubaner Félix Carvajal ging das Rennen deutlich entspannter an: Er aß unterwegs Pfirsiche von Zuschauern, griff zu verdorbenen Äpfeln, bekam Magenprobleme und legte sich zwischendurch für ein Nickerchen hin, bevor er weiterlief und trotzdem das Ziel erreichte.
Für den Amerikaner William Garcia wurde das Rennen lebensgefährlich, weil der Staub auf der Strecke so dicht war, dass er seine Atemwege und die Speiseröhre beschädigte. Er kollabierte kurz vor dem Ziel und erlitt innere Blutungen.
Und schließlich war da wieder Thomas Hicks, der am Ende völlig erschöpft war, halluzinierte und kaum noch laufen konnte. Seine Betreuer mussten ihn über die Ziellinie bringen. Offiziell gewonnen hat er trotzdem. Mehr Chaos passt kaum in einen Marathon.3
Und trotzdem laufen wir
Laufen wirkt oft wie die einfachste Sportart der Welt. Und ist es auch, solange man einfach losläuft und wieder nach Hause kommt. Sobald Wettkämpfe dazukommen, Menschen, Regeln oder manchmal auch einfach schlechte Entscheidungen, wird es deutlich unberechenbarer.
Zwischen Bier auf der Laufbahn, falsch verstandenen Ziellinien und Marathons, bei denen alles gleichzeitig schiefgeht, liegt eine erstaunlich große Bandbreite. Vielleicht ist genau das der Grund, warum dieser Sport nie ganz langweilig wird.
Autor: Philipp Sturm
Bilder: pexels | RUN 4 FFWPU
Weiterführende Quellen für Nerds & Neugierige:
1 Quelle zu „Das Ziel war…doch nicht da“: correctiv (inkl. Klarstellung zur Verwendung falscher Bilder zum Ereignis im Rahmen der Olympischen Spiele in Tokio): https://correctiv.org/faktencheck/2021/08/04/altes-ereignis-falsches-foto-geschichte-ueber-kenianischen-laeufer-abel-mutai/
2 Quelle zu „Laufen mit Bierpflicht“: Beer Mile Official Rules: https://www.beermile.com/about/rules/1
3 Quelle zu „Ein Marathon komplett außer Kontrolle“: Smithsonian Magazine: https://www.smithsonianmag.com/history/how-the-1904-marathon-became-one-of-the-weirdest-olympic-events-of-all-time-14910747/
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