Small moves, big sum.

Als wir vor kurzem begonnen haben, uns bei move:sum mit dem Thema Zucker zu beschäftigen, habe ich mich wieder mehr mit meinen eigenen Zucker-Experimenten auseinandergesetzt.
Zweimal habe ich mich schon relativ intensiv dem Thema Zucker gewidmet. Das erste Mal nach dem Buch Voll verzuckert (That Sugar Book) von Damon Gameau. Das zweite Mal einige Jahre später nach Der Glukose-Trick von Jessie Inchauspé.
Beide Bücher haben dazu geführt, dass ich mein eigenes Essverhalten genauer angeschaut habe und beide Male sind Dinge hängen geblieben.
Palettenweise Schokolade
Bevor ich über Zuckerverzicht, Glukosekurven oder irgendwelche Ernährungs-Experimente spreche, kurz ein paar Worte zu meiner Ausgangslage.
Ich war eine Süßigkeiten-Fressmaschine. Vor allem Schokolade. Eine große Packung Kinderriegel war mein Nachmittagssnack im Büro, und zwar die ganze Packung, nicht ein paar Riegel. Und das war oft nicht das Ende der Geschichte.
Natürlich wusste ich damals schon, dass das vermutlich keine Spitzenidee war. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, wie automatisch das Ganze abläuft. Stressiger Tag? Schokolade. Müde? Schokolade. Schlechte Laune? Auch Schokolade.
Dann hat mir ein Freund das Buch Voll verzuckert von Damon Gameau empfohlen. Und damit wurde das Thema für mich deutlich interessanter.
Mein Zucker-Kaltentzug
Wer das Buch kennt, weiß: Dort geht es nicht darum, einfach nur ein paar Süßigkeiten wegzulassen. Damon Gameau beschäftigt sich darin damit, wie viel Zucker wir im Alltag konsumieren und was das mit unserem Körper macht.
Das hat mich damals so neugierig gemacht, dass ich beschlossen habe, selbst einen Versuch zu starten. Und zwar nicht halb, sondern ich habe Zucker ganz gestrichen. Inklusive Glukose aus Kohlenhydraten.
Also keine Süßigkeiten, kein Brot, keine Nudeln, kein Reis, nicht mal Kartoffeln. Das Einzige, was ich mir noch gegönnt habe, war gelegentlich etwas Obst (und mal Bier).
Rückblickend war das natürlich etwas übertrieben. Vor allem die erste Woche war richtig unangenehm. Diese Phase läuft bei mir unter „Synapsenfasching“. Meine Stimmung war irgendwo zwischen gereizt, grantig und leicht verwirrt. Ich finde, dass sich das wie eine Art Entzug angefühlt hat. Ob das wissenschaftlich tatsächlich einer war, überlasse ich lieber Menschen mit deutlich mehr Ausbildung als mir. Angenehm war es jedenfalls nicht.
Es wurde aber relativ schnell deutlich leichter. Mein Energielevel fühlte sich über den Tag hinweg stabiler an und diese klassischen Nachmittagslöcher wurden weniger. Gleichzeitig war ich natürlich auch wahnsinnig stolz auf mich selbst, weil ich etwas durchgezogen habe, das ich mir vorher nicht zugetraut hätte.
Und wenn dir um drei Uhr nachmittags nicht plötzlich jemand den Stecker zieht, ist die Wahrscheinlichkeit auch höher, dass du am Abend noch Lust auf Bewegung hast. Oder zumindest darauf, die Wohnung zu verlassen. Auch für den Sport war das angenehm. Weniger Energietiefs bedeuten halt meistens automatisch mehr Motivation.
Drei Monate habe ich geschafft, dann war Schluss und das war auch ganz gut so.
Das zweite Experiment
Einige Jahre später bin ich über das Buch Der Glukose-Trick von Jessie Inchauspé wieder auf das Thema gestoßen. Diesmal war der Ansatz weniger radikal. Es ging nicht darum, Zucker komplett aus dem Leben zu verbannen, sondern eher darum zu verstehen, wie unterschiedliche Lebensmittel den Blutzucker beeinflussen. Es ging auch um die Reihenfolge, wie Mahlzeiten beziehungsweise deren Bestandteile in uns hineinwandern.
Auch damals habe ich wieder bewusster auf meine Ernährung geschaut und auch diesmal ist mir etwas Ähnliches aufgefallen wie beim ersten Versuch: Mein Energielevel war über den Tag hinweg ausgeglichener. Die ganz großen Tiefs wurden weniger. Und ich hatte das Gefühl, meinen eigenen Körper ein bisschen besser zu verstehen.
Was übrig geblieben ist
Aber das Spannende war eigentlich etwas anderes. Von keinem der beiden Versuche ist das ganze Konzept übrig geblieben. Ich esse heute wieder Nudeln und auch hin und wieder Süßes.
Das in meinem Kopf Verrückteste ist aber, dass ich heute eher zu Obst greife als zum Schokoriegel. Völlig absurd für mein früheres Ich. Aber ich muss mich nicht dazu zwingen, sondern habe mich über die Jahre hinweg offenbar entwöhnt. Das klingt jetzt so Guru-haft, aber es geht mir tatsächlich so.
Und noch etwas ist geblieben: Ich schaue heute viel genauer darauf, wo Zucker überhaupt drinsteckt. Damals habe ich angefangen, Zutatenlisten zu lesen und plötzlich tauchte Zucker an Orten auf, an denen ich ihn nie vermutet hätte. Salatdressings, Gewürzmischungen, Studentenfutter, Fertigprodukte. Lauter kleine Überraschungen.
Außerdem ist fast immer irgendeine gute Idee hängen geblieben. Zum Beispiel auch das eine oder andere Rezept. Wobei „Rezept“ vielleicht etwas großzügig formuliert ist. Aus einem meiner damaligen Experimente ist irgendwann ein veganer Bolognese-Gemüse-Eintopf entstanden. Ich nenne ihn Pampe. Er sieht auch genau so aus. Schrägerweise essen Freunde von mir das Zeug mittlerweile freiwillig.
Dass eben solche Bausteine übrig bleiben, finde ich an Experimenten spannend. Weniger Süßigkeiten, ein neues Rezept, mehr Aufmerksamkeit beim Einkaufen oder einfach die Erkenntnis, dass mein Körper auf bestimmte Dinge anders reagiert, als ich gedacht habe.
Und diese kleinen Bausteine summieren sich mit der Zeit erstaunlich gut auf.
Autor: Philipp Sturm
Bilder: © Canva
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