Small moves, big sum.

Rollschuhtanzen ist das anstrengendste, was ich je gemacht habe. Ich will es wieder tun!
Sonntag, 9 Uhr: Ich möchte aufstehen, aber meine Oberschenkel kapitulieren. Ich lasse mich ohne Gegenwehr vom Muskelkater zurück in die Federn drücken. Wozu kämpfen? Er ist einfach stärker als ich. Aber schon komisch, dass ich so erledigt bin. Ich habe tags zuvor doch nur das getan, was selbst Kinder mühelos beherrschen: Ich war Rollschuhlaufen. Genauer gesagt besuchte ich den Kurs „Rollerdance Basic” an der VHS Erlaa.
Auf Quad Skates zu fahren, das kann doch nicht so schwer sein, dachte ich. Immerhin haben diese Rollschuhe jeweils vier Rollen, immer zwei nebeneinander. Ach, was habe ich mich geirrt. Beim Rollschuhfahren ist nämlich nichts einfach: weder das Hinfallen noch das Aufstehen, das Nicht-Hinfallen am allerwenigsten. Zumindest, wenn man keinerlei Vorerfahrung hat, so wie ich.
Retro-Hype aus den USA
Im Anfänger-Kurs lehren die Trainer:innen des Vereins „Powerjam Roller Skate” neben der Grundtechnik des Skatens auch das Rollschuhtanzen. Damit bringt Powerjam seit 2020 das nach Österreich, was in den USA schon lange Tradition hat. Vor allem in den 80er-Jahren wurde das Skaten auf Rollschuhbahnen oder in Rollerdiscos zum Massenphänomen.
Als die Inline-Skates mit einer Reihe an hintereinander liegenden Rollen populär wurden, rückte Rollschuhfahren in den Hintergrund. Seit einiger Zeit erlebt der Trend aber ein Revival. Auch in BIPOC-Communities, die bereits während der Rassentrennung eigene Skate-Räume schufen und die amerikanische Szene wesentlich prägten, unter anderem durch die Entwicklung von Stilen wie Rhythm und Jam Skating.
Eine Frage des Gleichgewichts
Warum die Freizeitbeschäftigung neu auflebt, merke ich sofort. Es macht einfach Spaß! Die Dopamine kicken, sobald ich die quietschrosa „Disco-Roller” anziehe und im Takt der Hip-Hop-Musik übe, nach links und rechts zu steppen. Im Prinzip ist alles eine Frage der Balance: Also immer schön in die Knie gehen, das Gewicht nach vorne verlagern und das konstante Vibrieren überanstrengter Muskeln ignorieren.
Im Laufe der zwei Stunden mache ich viel Bekanntschaft mit dem Boden. Zum Glück lernt man aber schnell, wie man richtig stürzt (nach vorne!) und auch an Gelenkschoner habe ich gedacht (wichtig!). Daher erwischte es mich nicht so schlimm wie den mutmaßlichen Rollschuh-Erfinder Jean-Joseph Merlin, der um 1760 mit seiner Konstruktion ungebremst in einen Spiegel geprallt sein soll.
Alle Basics habe ich definitiv noch nicht drauf, aber der Kurs lieferte einen ausgezeichneten Vorgeschmack. Der Hype ist auf jeden Fall auf mich übergesprungen!

So kannst auch du starten:
Wer es auch mal ausprobieren möchte:
Eine Rollschuhbahn gibt es in Wien zwar keine, aber Powerjam bietet regelmäßig Workshops in Turnhallen oder Tanzstudios an. Vereinsmitglieder erhalten auch Zugang zu wöchentlichen Trainingssessions. Auch das Universitätssportinstitut (USI) hat regelmäßig Rollerskating-Kurse im Programm. Ansonsten lohnt es sich, regelmäßig auf der Website des Wiener Eislauf-Vereins oder der Skatefactory nach aktuellen Events Ausschau zu halten. Der WREV(Wiener Roll- und Eissportverein) unterrichtet zudem Rollkunstlauf. In Graz veranstaltet der Verein für Rollschuhsport Space Quads immer wieder Events, zum Beispiel Roller Discos.
Autorin: Patricia Kornfeld
Bilder: Patricia Kornfeld
Patricia Kornfeld taucht als freie Journalistin in die Kulturlandschaft ein oder schreibt über Gesellschaft, Psyche und Feminismus. Ausgleich findet sie im Spinning, Reformer Pilates und indem sie neue Sportarten ausprobiert – ihre Neugier ist grenzenlos.
Zur Autorin, Patricia Kornfeld
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