Vom Autopilot zum Abenteuer. Eine Lauftrainerin erklärt unseren Lauf-Mix

Wir laufen ja meistens einfach durch. Gleiche Strecke, gleicher Untergrund, irgendwann läuft der Körper im Autopilot. Und dann kommen wir plötzlich mit so Ideen um die Ecke wie: stehen bleiben, Übungen machen, weiterlaufen. Oder bewusst so viele Untergründe wie möglich mitnehmen.

Die Frage ist nur: bringt das was, oder ist das einfach nur nett gemeint?

Wir haben dazu mit Helena gesprochen. Sie ist Diplom-Lauftrainerin, aber vor allem jemand, die selbst mal ganz hinten in der Laufgruppe gelandet ist und genau deshalb irgendwann angefangen hat, Training neu zu denken. Heute begleitet sie Läufer:innen vom Einstieg bis zur Bestzeit.

Wenn der Untergrund plötzlich zurückredet

Auf Asphalt ist vieles vorhersehbar. Jeder Schritt ist fast gleich, der Körper weiß, was kommt. „Man läuft ein bisschen im muskulären Autopilot“, sagt Helena.

Sobald sich der Untergrund ändert, ist Schluss damit. Wurzel, Schotter, weicher Boden. Jeder Schritt ist anders. Dein Körper muss ständig reagieren, ausgleichen, stabilisieren. Muskeln, Sehnen und Bänder werden jedes Mal neu gefordert, der Oberkörper arbeitet mehr mit, die Schritte werden bewusster.

Was laut Helena oft unterschätzt wird, ist, dass auch dein Kopf mehr mitarbeitet. Du suchst aktiv den nächsten Schritt, bleibst also aufmerksamer.

Genau das passiert zum Beispiel bei Gravelrunning. Nicht ganz Straße, nicht ganz Gelände und genau das macht es ja so spannend.

Auch im Fuß passiert einiges, sagt Helena. Er ist kein starres System, sondern passt sich bei jedem Schritt neu an. Das setzt Trainingsreize und macht den Bewegungsapparat langfristig belastbarer. Wichtig dabei: langsam steigern und dem Körper Zeit geben, sich anzupassen.

Mehr dazu, was beim Laufen im Körper passiert, erklärt Helena in ihrem eigenen Blog:

Spielplatz statt Trainingsplan

Und jetzt zu unserer zweiten April-Woche: laufen, stoppen, Übungen einbauen. „Funktionelles Wechseltraining“, nennt Helena das, „und du fühlst dich gleich wie ein:e Athlet:in“.

Der Körper lernt dabei, sich an verschiedene Reize direkt hintereinander anzupassen, sagt Helena. Gleichzeitig wird das monotone Durchlaufen ein bisschen aufgemischt.

Worauf achten? Qualität vor Quantität, so Helena. Lieber zwei saubere Übungen als fünf halbe. Große Muskelgruppen zuerst. Und wenn die Konzentration nachlässt, Übungen anpassen. Man merkt relativ schnell, wann’s schlampig wird.

Wie Laufen und Krafttraining sinnvoll zusammenspielen, hat sie auch in ihrem eigenen Blog beschrieben:

Wie das konkret aussehen kann, zeigt sie dir außerdem im Instagram-Reel mit drei Übungen für unterwegs.

Und wenn sich das Ganze noch zu sehr nach Training anfühlt, hat Helena noch einen Tipp: mach ein Spiel draus. Zwei Lieder laufen, ein Lied Übungen. Mit Freund:innen rausgehen und keine Straße doppelt laufen. Über einen Baumstamm balancieren, den man unterwegs findet.

Oder einfach das machen, was sie selbst am liebsten macht: laufen, Arme ausbreiten, Musik fühlen und kurz so tun, als würde man fliegen.

Sieht vielleicht nicht nach perfekter Lauftechnik aus. Fühlt sich aber ziemlich gut an.

Autoren: Helena Schnabl-Aydogmus | Philipp Sturm
Bilder: Helena Schnabl-Aydogmus | Alejandra Fuentes

Über Helena

Helena Schnabl-Aydogmus – Diplom-Lauftrainerin

„Laufen bedeutet mehr als eine Bestzeit oder lange Distanz,
Laufen bedeutet Gesundheit, Stressabbau & Energie.“

Helena ist Diplom-Lauftrainerin und Personaltrainerin und begleitet Anfänger:innen bis Fortgeschrittene mit individuellen Trainingsplänen. Ihr Zugang: Laufen soll nicht nur schneller machen, sondern sich auch gut anfühlen und vor allem eines können: Spaß machen!

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