„Workout im Park“: Erst Sommerabend, dann Burpees

Kostenloses Outdoor-Training mitten in Wien, fremde Menschen, Sommerabend und eine Yogamatte, die danach nicht mehr sauber war. Wir haben ausprobiert, ob es awkward ist, alleine bei „Workout im Park“ aufzutauchen und warum wir vermutlich öfter einfach irgendwo spontan mitmachen sollten.

Allein schon der Weg dorthin hatte was. In Sportklamotten mit Yogamatte unterm Arm an einem warmen Sommerabend gemütlich durch die Stadt Richtung Park spazieren. Das fühlt sich sofort nach sommerlichem Feierabend an.

„Workout im Park“ wird vom Extremsportler Michael Strasser geleitet und findet derzeit zweimal pro Woche in Wien statt. Ohne Anmeldung, draußen und zum spontanen Mitmachen.

Und für alle Leser:innen, die nicht in Wien zu Hause sind: Keine Sorge. Ein zumindest ähnliches Konzept gibt es im Sommer auch österreichweit. „Bewegt im Park“ startet jedes Jahr von Juni bis September mit kostenlosen Sportkursen in ganz Österreich. Zumindest das Feeling dürfte also vergleichbar sein.

Und offenbar spricht sich das herum.

Ich bin sehr schlecht im Schätzen, aber 4.000 Menschen werden es schon gewesen sein. Realistisch vermutlich eher um die 100. Ganz ordentlich.

Der Park war also richtig gut gefüllt. In der Mitte standen Bühnenelemente mit Musik, Mikrofon und Trainerteam, rundherum Yogamatten und Menschen, die alle dieselbe Idee hatten: Feierabend-Spritzwein gegen gemeinsames Herumturnen tauschen.

Das Publikum war bunt gemischt. Viele waren mit Freund:innen dort, aber genauso Leute, die wie ich alleine auftauchten. Altersmäßig war eigentlich alles vertreten, wobei die meisten wahrscheinlich irgendwo zwischen 20 und Anfang 30 waren.

Alleine ohne Trainingspartner:in hinzugehen, war dabei überhaupt kein Problem. Das Ganze hatte von Anfang an eine angenehme Stimmung.

Niederschwellig heißt offenbar nicht automatisch leicht

Das Training selbst war deutlich härter als erwartet. Also wirklich deutlich. Ich war komplett fertig.

Das war kein gemütliches Herumdehnen im Park, sondern ein richtig forderndes Ganzkörpertraining. Viele Liegestütze, Burpees, Kniebeugen und Planks waren dabei. Irgendwann hat meine Muskulatur beschlossen, nur noch eingeschränkt mitzuarbeiten. Meine Grundfitness war dafür offenbar nicht ausreichend.

Das Gute war aber, dass das völlig egal war. Wenn jemand eine Pause brauchte, kurz aussetzte oder bei den letzten Wiederholungen kreativ zu schummeln begann, war das ganz normal. Überall lagen oder saßen zwischendurch Menschen herum und versuchten kurz wieder zu Atem zu kommen. Man hat sich dann manchmal aus der Entfernung kurz angeschaut und gegrinst. So ein stilles: „Ah okay, du bist auch komplett durch.“

Michael Strasser nahm während des Trainings irgendwann mit einem Satz den Druck raus. Den wollen wir uns merken: „Weniger ist immer noch mehr als nix.“ Und genau so hat sich das Ganze auch angefühlt. Du machst einfach so viel, wie eben gerade geht. 

Das gesamte Konzept ist extrem unkompliziert. 

Du brauchst eigentlich nur Sportgewand, eine Yogamatte und genug Wasser. Wobei die Yogamatte damit klarkommen sollte, dreckig zu werden. Meine wurde ordentlich malträtiert. Sie ist geliehen, aber um das Problem kümmere ich mich später.

Das Training selbst kostet nichts. Am Ende steht eine Spendenbox im Park, aber das Geld geht nicht an Michael Strasser oder sein Team, sondern direkt an Charity-Projekte.

All diese Punkte machten den Abend aus. Wenig Druck, gemeinsames Schwitzen und erstaunlich gute Laune dafür, dass dort gleichzeitig ungefähr hundert Menschen sportlich zerlegt wurden.

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Michael Strasser mit seiner Kollegin aus dem Trainerteam.

Besonders sympathisch fand ich dann noch einen kleinen Moment nach dem Training. Für ein Foto wollte Michael Strasser unbedingt sein Team dazuholen, weil die genauso wichtig seien wie er. In dem ganzen Trubel fand er zwar nur noch eine Kollegin, aber das war ein sympathischer Moment.

Nach einer Stunde ging es mit verschwitztem T-Shirt, müden Beinen und Yogamatte wieder nach Hause. Leicht fertig, aber ziemlich zufrieden. Und mit großer Vorfreude auf Magnesium.

Wenn du auch mal mitmachen möchtest, Michael Strasser informiert auf seinem Instagram-Account.

Autor: Philipp Sturm
Bilder: © SME

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