Small moves, big sum.

Interessante Frage. Hast du schon mal darüber nachgedacht, etwa beim Gewichte stemmen im Gym oder beim Laufen? Die Frage kommt vom Sportpsychologen Peter Gröpel. Seine Denkanstöße können helfen, einen Weg zu entspanntem Freizeitsport zu finden. Ohne Vergleichen, dafür mit Freude.
Es beginnt wie immer. Wenn wir was Neues lernen wollen, hilft ein YouTube-Video: Wie wir unser Holzbett lasieren, wie der Airfryer funktioniert oder wie wir unseren wohligen Winterkörper etwas in Schwung bekommen. Denn es heißt, der nächste Sommer kommt bestimmt – auch wenn es grad noch nicht danach ausschaut.
Von ersten leichten Trainingstipps im Internet ist es nicht weit zu definierten Körpern, leistungsstark und erfolgreich. Erster Gedanke: „Wow!“ Zweiter Gedanke (sehr bald): „Job, Freunde, Familie – ich hab doch auch ein anderes Leben! Ich will nur meine Fitness verbessern. Wie geht das?“
Suche Sport, der einfach nur Sport sein will
Wir haben dazu einen Experten befragt: Peter Gröpel ist Professor am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien. Er forscht zu Sport- und Leistungspsychologie, also wie wir uns motivieren und selber regulieren können. Vorab sagt er, dass seine Antworten auf unsere Fragen sich auf Freizeitsport beziehen, denn Spitzensport ist eine andere Welt. Wir sind beim ihm also genau richtig.

Zum Experten:
Assoc. Prof. Dr. Peter Gröpel ist Professor für Sportpsychologie und lizenzierter Sportpsychologe mit 15 Jahren Erfahrung in Leistungs- und Performancepsychologie. Sein Schwerpunkt liegt auf Leistung unter Druck, Motivation und Selbstregulation sowie dem Zusammenhang von Sport, Gesundheit und Wohlbefinden im Alltag und Berufsleben.
Leistungswille, Vergleiche und Körperideale sind Teil des Sports. Bis wann sind sie gesund und motivierend?
Peter Gröpel: Kurz gesagt, wenn sie der Realität entsprechen. Große Ziele wie ein Marathon sind schön, wenn jemand sich genug Zeit, also Trainingsmonate nimmt und auf genügend Schlaf achtet. Leistungswille ermöglicht, die Komfortzone zu verlassen; das ist in Ordnung, weil wir uns so verbessern können. Allerdings sollte man nicht übertreiben, genügend Regeneration einplanen und bei Verletzung, Erschöpfung oder Krankheit nicht trainieren.
Vergleiche und Körperideale sind dann gut, wenn sie uns als Orientierung dienen: Wo stehe ich? Was kann mein Körper leisten? Vorteilhaft ist, wenn wir innere Vergleiche nutzen, um Fortschritte wahrzunehmen: Wie bin ich im Vergleich zu früher? Mit anderen sollten wir uns nicht zu oft vergleichen – obwohl das durchaus menschlich ist.
Stichwort Adonis Komplex: Unter welchen Bedingungen kann das Vergleichen dazu führen, dass wir sogar zu Mitteln wie Anabolika greifen?
Gröpel: Wenn nicht mehr die Freude an Sport und Bewegung im Vordergrund steht, sondern der Zweck, unbedingt Anerkennung im Internet zu bekommen. Und wenn der Selbstwert fast ausschließlich von Leistung oder Aussehen abhängt. Das kann dazu führen, dass die Motivation zum Sporttreiben primär von der Angst zu versagen gesteuert wird. Social Media können uns inspirieren und gesunde Motivation durch Vorbilder fördern; sie können negativ wirken, wenn wir uns durch Vergleiche mit anderen definieren.
Wie erkenne ich, wann Leistungswille bzw. Vergleichen ins Negative kippen könnten?
Gröpel: Solange ich Sport für mich selbst mache und nicht für andere, und den Sport nicht zu ernst nehme, ist es OK. Da helfen Fragen wie:
- Würde ich diesen Sport auch machen, wenn niemand zuschaut und ich mich mit niemandem vergleichen könnte?
- Bin ich stolz auf meinen Einsatz, auch wenn das Ergebnis nicht perfekt ist?
- Sehe ich auch meine eigenen Fortschritte – oder nur den Vorsprung anderer?
Wenn die Antworten zumindest teilweise „Ja“ lauten, ist das ein gutes Zeichen für eine gesunde Grundlage.
Welche Tipps haben Sie, damit Sport in der Freizeit ein gesunder Ausgleich zum Alltag ist?
Gröpel: Sport und Bewegung sind ein wichtiger Teil des Lebens, aber eben nur ein Teil. Arbeit, Freunde, Familie, Hobbies – unser Leben hat eine große Vielfalt. Es hilft, wenn wir uns auch durch andere Charaktereigenschaften, die uns wichtig sind, definieren, zum Beispiel Zuverlässigkeit.
Im Sport selbst gibt es viele Ansatzpunkte:
- Statt Leistungszielen können wir uns Erlebnisziele setzen, z.B. Ich möchte mich wohlfühlen.
- Ruhig einmal bewusst ohne Sportuhr und Tracking unterwegs sein; Tracking-Apps sind Werkzeuge, aber kein Muss.
- Wer gerne in Gesellschaft ist, kann in Gruppen trainieren, wo wir uns auch mal an die Leistungsschwächeren anpassen müssen und dafür gemeinsam Spaß haben.
Druck raus, Freude rein
Realistische Ziele. Innere Freude. Ich selbst als Messlatte, statt der Vorsprung der anderen. Nicht immer tracken, dafür aufs Wohlbefinden achten. Beginnen wir gesunden Sport im Kopf. Dann passt es auch für den Körper. Und unsere Füße laufen im Wohlfühl-Takt.
Autorin: Michaela Ortis
Bilder: Pexels | Peter Gröpel
Michaela Ortis schreibt als freie Journalistin über Wissenschaft, Digitalisierung und Gesellschaft. Unterwegs ist sie mit ihrem Holland-Rad, denn Bewegung macht den Kopf frei.
Zur Autorin, Michaela Ortis
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